Reaching Trappist Just In Time

Das Stück benutzt Material aus den Tatsachenberichten von Theo Padmos und Matthew Schrier.

(DIE ZEIT / Jahrgang 2015 / Ausgabe 35 / 13.09.2015)

Frei. 28. Juni 2019, 20 Uhr - VORSTELLUNG FÄLLT AUS!
Theater Verlängertes Wohnzimmer, Frankfurter Allee 91, 10247 Berlin
Premiere war am 28. April
Autor und Regisseur Mathias Neuber im Gespräch mit Felicitas Glück (studiert Theaterwissenschaften) und Ramona Göök (bezeichnet sich als Karriereverweigerin).
 
Glück Vor einem Jahr habt ihr den Stoff schon einmal unter dem Titel trip to trappist one präsentiert.
Es gab damals, glaube ich, 5 Vorstellungen. Jetzt präsentiert ihr, bis auf die ersten vier Szenen, ein völlig neues Stück. Warum?
Neuber Damals wollten wir einen Hoffnungsfunken schlagen lassen aus dem tristen Stoff ….
Göök Kurzer Einschub: Drei Menschen, Amerikaner, sind Gefangene der Al-Nusra. Sie werden gefoltert und schließlich hingerichtet, einem gelingt die Flucht. Und zumindest dieser war als ein Mensch gezeichnet, dem man lieber nicht im Dunkeln begegnen möchte.
Neuber: Ja, und die Hoffnungsperspektive erschöpfte sich in einem Appell an die Zuschauer zuletzt. Das wurde uns von Vorstellung zu Vorstellung immer fragwürdiger.
Glück: Und jetzt?
Neuber Es sind immer noch die drei Gestalten. Und in ihrer Einstellung zum Leben, in ihrer Lebenspraxis, die aus Verrat und Mord besteht, noch fragwürdiger. Was sich geändert hat, ist, dass nun immer wieder darauf verwiesen wird, wer diese Gestalten spielt. Nämlich eine Studentin, eine Hotelangestellte, und ein Student aus Berlin. Menschen wie du und ich.
Göök: Und dadurch kommt Hoffnung in die Sache?
Neuber: Die drei gehen davon aus, dass 5000 Jahre Menschheitsgeschichte, die aus Verrat und Mord besteht, nun eventuell vielleicht zu Ende gehen könnte.
Göök: Das heißt: Der Autor, du, gehst davon aus?
Neuber: Es ist eine These, mehr nicht.
Göök: Eine kühne These, um das mal vorsichtig auszudrücken.
Neuber Ja, und ich weiß auch gar nicht ob sie stimmt. Eine These, wie gesagt.
Göök: Und was soll das bringen? Was bringt es?
Neuber: Es ist der andere Hintergrund, vor dem gespielt wird.   Vorm Horizont kommender anderer 5000 Jahre, erscheint das, was jetzt ist, als unbegreiflich, als lächerlich, als nicht Ernstzunehmendes.
Glück Dieses Nicht-mehr-Ernst-zu-Nehmende spielen die SchauspielerInnen mit vollem Einsatz. Sie sind darin präsent, beängstigend präsent.
Neuber. Weil sie es spielen. Weil sie frei sind, es zu spielen. Sie spielen, wie Kinder Krieg spielen, mit vollem Einsatz. Und haben ihren Spaß daran.
Göök: In der Wirklichkeit sterben die Leute wirklich.
Neuber Ich habe ja nicht gesagt, dass wir die Wirklichkeit abbilden.
Göök: Wie kommst du auf diesen absurden Gedanken, das nach 5000 Jahren alles anders laufen soll?
Neuber: Ich habe ein Buch gelesen, dass mich sehr beeindruckt hat. Schulden, von David Graeber.
Das heißt im Untertitel Die ersten 5000 Jahre. Graeber ist Anthropologe. Er beschreibt sehr genau, inhaltsreich, detailliert, und in komplexen Zusammenhängen diese 5000 Jahre Menschheitswerdung seit der Steinzeit.. Menschheitswerdung in eine unheilvolle Richtung. Aber darunter läuft immer etwas anderes mit, etwas, das auch immer hätte sein können, aber nicht Gestalt, nicht Beziehung, eine andere, zwischen Menschen hat werden können.
Göök: Aha.
Glück: Du bleibst skeptisch?
Göök: Ja..
Neuber Na ja, und dann natürlich meine Überzeugung, dass es zu Ende ist mit uns, mit der Erde, wenn es so weitergeht wie bisher.
Göök: Bleibt noch zu erwähnen, dass es sich um ein gut organisiertes, kurzweiliges Stück handelt, mit Bildern, die sich auch bei kommenden Zuschauern festsetzen werden.
Glück: Die wir euch für die nächste Vorstellung, am 28. Juni im Verlängerten Wohnzimmer, so zahlreich wünschen wie bei der Premiere!
Neuber: Ja, zur Premiere sind nicht alle reingekommen.
Glück: Was sicher auch an den Erwartungen an die Schauspielerleistungen von Jekaterina Chapandze, Bente Jacobsen und Moritz Reichardt lag. Die – das soll hier noch mal ausdrücklich erwähnt sein   – sehr überzeugend waren!
Göök: Danke für das Gespräch.

Reaching Trappist Just In Time

3 Menschen – einsam im Weltraum – unterwegs in einer Raumkapsel zum bewohnbaren Planeten Trappist 1e.

 

Die Wände, gegen die die Einsamkeit sie laufen lässt, sind die der Raumfähre?

Oder doch die eines Kellers in einem Kinderkrankenhaus in der syrischen Stadt Aleppo?

Jeder weiß es anders.

 

Am Ende schicken die Darsteller sie gegen die Wände in sich, und es stellt sich die eine Frage: Können wir unser Gefängnis verlassen?

Den bewohnbaren Planeten erreichen?

Are we gonna reach Trappist just in time?

 

Es spielen: Bente Jacobsen, Ekaterina Chapandze, Moritz Reichardt

Text und Regie: Mathias Neuber