Zurückliegende  Premiere:

Die Megamaschine

Brief des Regisseurs ans Ensemble vom 22. Mai
Liebe Leute, liebes Ensemble,
Ich weiß nicht ob drei Tage Abstand ausreichen um ein einigermaßen umfassendes Bild zu beschreiben dessen, was wir da gemacht haben.
Wir wollten unsere Art zu leben, zu lieben, zu zweifeln, zu hoffen und mutig zu sein, aufscheinen zu lassen vor den am Horizont aufscheinenden
Kriegen dieser Welt. Dass wir das 230 Minuten lang in einem Kurzweile erzeugenden Rhythmus geliefert haben, in Bildern, die haften bleiben werden, eindringlich, unterhaltsam und Tragik nicht aussparend, ist uns bewusst.
Wir haben es gespürt auf den letzten Proben, dass es so sein wird. In „Selbstoptimierung“ beginnt es locker, mit kabarettistischen Mitteln (Julia und Peter, ihr, als Mdm. Inge und als Abteilungsleiter Wendelin
Kreuzmacher), setzt sich fort in der Art einer
Boulevardkomödie (Karo und Torsten, als das ungleiche Ehepaar Prof. Meyrink), und dann wieder mit naiver Ernsthaftigkeit (Binsy als Menschlein!).
Dies fortgeführt in „Selbstinszenierung“ kommen mit der von Elena und Gefolge großartig gespielten Szenenfolge „Der Chef“ surrealistische Elemente hinzu; und über das in absoluter Spiellaune auftretende Joggerpaar kommen die Kriege ins Spiel, die militärischen und die im Wirtschaftsleben. ((Steffen als „Macher“, ein führendes Rädchen im Getriebe, das seine Verzweiflung permanent witzig aufblitzen lässt – Elena als ebenso witzige Pastorin, nicht ganz frei von Opportunismus, und mit durchaus erotischen Ambitionen).
Die dramatis personae in „Selbstvernichtung“ sind diesen Kriegen dann endgültig ausgesetzt. Die Verzweiflung der Jogger, das heißt ihr Witz!, schwingt sich – wortwörtlich – auf auf Baumhöhe .und darüber hinaus.
Auch von den anderen Akteuren ist hohe schauspielerische Substanz gefordert – vollständig abgerufen, wenn in „Die Pianistin“ zwei so großartige Schauspielerinnen wie ihr, Malika und Karo, aufeinandertrefft.
Ein Genuß!
Oder wenn wir alle Arty – und wahrscheinlich er sich selbst – als überzeugende, eigenwillige, autonome Künstlerpersönlichkeit entdecken. Einen entscheidenden Punkt setzt du, Jasmin in deinen beiden Rollen als Melissa und Jeanne. Eher komödiantisch angelegt die eine, tragisch die andere, spielst du sie beide unprätentiös, in großer Einfachheit. Einer Einfachheit, die nicht gemacht, sondern da ist.
Dass du auch anders kannst, dass du einen Auftritt beherrschst, wie er an festen Häusern üblich ist, beweist du, zusammen mit Julia, in der Szene „Vorsprechen“. Aber das wollen wir nur als Zitat. Was wir wollen, ist Einfachheit. Das einfache Spiel, das nicht gemacht ist. Dass man nicht achen kann. Dass man hat, wenn man dem Leben zugewandt ist und etwas
Camilla sehr genau in zwei sehr unterschiedlichen Rollen – eine Frau mit überbordender Fantasie einmal, das andere mal eine Mutter mit drei Kindern, die sich wegen ihnen eine Liebe versagt (als kongeniale Geliebte Elena!)
Alina, wunderbar verständnislos einem verständnislosen Geliebten gegenüber; als Gespielin des schon erwähnten Prof. Meyrink intelligenter als sie zu sein vorgibt. Torsten, als Meyrink eben genannt, dann noch mit einer Glanznummer als kreuzworträtsellösender, biertrinkender Ehemann auf einem Haveldampfer. Joana als Kerry, eine sich verkaufende Arbeiterin, nachvollziehbar genau in ihrer Motivation. Ihr Partner Wendelin, leitender Angestellter bei Augustin Communications – das ist von Peter überzeugend gespielte Subalternität der gehobenen Chargen.
Julia – in vielen Rollen – bedient das ganze Spektrum vom Kabarett über Kammerspiel (Szenenfolge „Schwestern“!) bis hin zur kraftvollen Verteidigung des Pragmatismus
Tobias – ihn hat es erwischt (es hat sich so ergeben) – dass er in allen Konstellationen den Liebhaber spielt -: er tut es mit Hingabe und leiser Ironie, für die sehen, hören und das nicht Sagbare wahrnehmen können.
Moritz ist ein Landschaftsarchitekt, der sich und seiner Umgebung eine Wohlfühlinsel geschaffen hat und zur tragischen Figur wird, weil ihm seine reundin Jeanne dort hinein den Krieg schleppt. Im Einklang mit sich und der Welt, zeigt er seine Figur zum Schluss schutzlos, verzweifelt. Und brutal egoistisch. So werden wir alle sein, denke ich, wenn der Krieg der Welt nicht mehr draußen gehalten werden kann.

Nachdem wir die Premiere von „Die Ostsee im Winter“ wegen Krankheit absagen mussten, müssen wir nun auch die für das Wochenende 28. und 29. Juni geplanten Folgevorstellungen Reaching Trappist just in time und Die Ostsee im Winter) im TVW absagen.

Wir bitten um Verständnis.

Die Vorstellung „Die Megamaschine“ am 13. Juli im Fabriktheater Moabit findet statt!

Die Ostsee im Winter, Theaterhaus Mitte Berlin, Wallstraße 32 C,
Die Megamaschine - nächste Vorstellung: 13. Juli, Fabriktheater Moabit