Wir leben vom Tode anderer. Wir sind wandelnde Grabstätten.
(Leonardo da Vinci)

 

Intergogue wird das ins Bild bringen.
Und fragen: Leben in einem solchen Koordinatensystem – geht das?
Lieben?
Ein Antwortversuch in zehn (Liebes?-) Geschichten in drei Folgen, an zwei Abenden.

PREMIERE war am 17. und 18. Mai 2019

 

Nächste Vorstellung

„Im Leeren Raum“ Ebersstraße 27, 10827 Berlin

Samstag,  9. November 2019
18.00 Uhr: Folge 1 Selbstoptimierung
19.30 Uhr: Folge 2 Selbstinszenierung
21.00 Uhr: Folge 3  Selbstvernichtung

 

Eintrittspreis für eine Folge: 10 / 7 Euro

für zwei Folgen 14 / 11 Euro

für alle drei Folgen 17 / 14 Euro

Man kann an der Abendkasse Karten nachkaufen

(Wer nur Folge 1 gekauft hat und dann noch Folge 2 (und / oder 3) sehen will, kann per Nachzahlung von 4 Euro Folge 2, bei Nachzahlung von 7 Euro Folge 2 und 3 sehen.)

Sofern es noch freie Plätze gibt!

Die Megamaschine – wie entstand sie?

Ein Gespräch zwischen Jasmin Schorr, Julia Ben Abdallah, Elena Weisheim und Karoline Leder. Die Fragen stellte Fritz Awtor Weingarten.
Jasmin,  Elena, Julia, die einzelnen Geschichten dieser- nennen wir das ruhig einmal so – Gesellschaftsschau sind nach Vorgaben und Ideen der Schauspieler entstanden. Nun ist, glaube ich, vereinbart, dass die Ideengeber der Geschichten nicht genannt werden. Dennoch, könnt ihr was sagen zum Prozess? Wie war der Weg von der Idee bis zur Geschichte und ihrer szenischen Umsetzung? Inwieweit sind die Geschichten eure Geschichten?
JASMIN: Ich war eine der ersten, die eine persönliche Geschichte erzählt hat. Die Aufgabe war, sich einen perfekten Partner vorzustellen und dann den Konflikt, der in dieser Vorstellung liegt, an die Oberfläche zu bringen. Es war in der Aufgabenstellung offen gelassen, ob der Konfliktpartner fiktiv oder real ist. Es ging also eher um den Konflikt, der in uns selbst liegt.
ELENA: Ich habe als allerletztes meine Geschichte erzählt, weil ich dachte, dass alle Geschichten, die ich habe, nicht interessant genug für die Bühne sind. Ich wollte eine Geschichte haben, mit der ich persönlich arbeiten kann. Ich wollte durch den Prozess etwas über mich lernen. Dafür hat es einige Gespräche mit Freunden gebraucht. Jasmin: Bei mir war es einfacher. Mir fiel sofort ein persönlicher Konflikt ein, der mich nie richtig losgelassen hat. Allerdings war es nicht einfach, vor allen darüber offen zu sprechen. In den darauffolgenden Proben haben wir Improvisationen zu der Geschichte entwickelt. Die waren noch sehr nah an dem, was ich erzählt hatte und haben sehr ambivalente Gefühle bei mir ausgelöst. Es war schwer, Spiel und Realität auseinanderzuhalten. Zum Teil ging es mir zu nah, andererseits musste ich im Nachhinein auch darüber lachen. Elena: Dadurch, dass ich mitbekommen habe, dass Jasmin die Situation als so herausfordernd empfunden hat, wurde mir bewusst, wie intensiv die Arbeit mit den eigenen Gefühlen werden kann. Ich fragte mich, ob ich mich darauf einlassen wollte und entschied mich dafür. Ich veränderte die Rahmenbedingungen und Namen meiner Geschichte, aber mein persönliches Gefühl habe ich beibehalten. Jasmin: Im Laufe der Inszenierung habe ich miterlebt, wie sich meine Geschichte Schritt für Schritt gewandelt hat. Ich habe gelernt, meinen Spielpartnern zu vertrauen und auch selbst lockerer mit dem Konflikt umzugehen, so dass ich Abstand nehmen konnte und mittlerweile eher von außen auf die Geschichte blicke.
JULIA: Am Anfang hatte jede*r von uns die Möglichkeit, eine reale oder fiktive Liebesgeschichte vor der Gruppe zu erzählen, in der irgendein Konfliktpotenzial lag. Viele von uns haben also eine Geschichte erzählt und diese wurden von unserem Regisseur, Mathias Neuber, als Material für die einzelnen Erzählungen, die wir spielen, verwendet. Er hat unsere Geschichten nicht wortwörtlich transkribiert, sondern er hat sie umgestaltet und für die Bühne in der Perspektive einer Hauptfragestellung transformiert: wie gehen wir mit Konflikten und mit der Brutalität der Welt unterschiedlich um? Und wie hat das einen Einfluss auf unsere Beziehungen? Dementsprechend spielen wir Geschichten, die uns nicht nur berühren, weil wir das Rohmaterial davon erzählt oder zugehört haben, sondern auch, weil diese Hauptfragestellung uns alle betrifft. Von daher würde ich sogar behaupten, dass diese Geschichten auch die Geschichten der Zuschauer*innen sind.
Gab es Krisen?
JASMIN + ELENA: Es gab für uns beide Phasen, in denen wir an dem Stück gezweifelt haben. Es gab viele interne Krisen aber wir haben sie alle überwunden und das ist was am Ende zählt. Das hat uns als Gruppe und uns persönlich stärker gemacht. Julia: Das schwierigste war für mich, wenn manche Szenen inhaltlich extrem nah an mir oder an meiner eigenen Geschichte kamen. Ich hatte das Gefühl nackt und in einer Art beängstigenden Vulnerabilität vor anderen Menschen zu stehen, die von mir ein Schauspiel erwartet haben. Ich fand es heikel, eine ausgewogene innere Einstellung zu finden, bei der ich mich selbst dem Publikum und den anderen Schauspieler*innen trotz der extremen Brutalität ehrlicherweise gebe und dabei trotzdem den zum Spielen notwendigen Abstand behalte.
Wenn das gesamte Projekt – mit insgesamt zu erwartenden 7 Stunden Spielzeit ziemlich opulent – nun bald fertig sein wird – als was werdet ihr euch sehen? Nach dieser Arbeit?
ELENA: Ich war am Anfang sehr skeptisch gegenüber der Länge des Stückes. Heute freue mich sehr auf meine verschiedenen Rollen und das neue Gefühl für 7 (?) Stunden zu spielen, sich auf das Stück einzulassen und in die Megamaschinen-Welt einzutauchen. Ich freue mich vor allem auf die Zeit, das Stück öfters zu spielen, weil ich gespannt bin auf die weitere Entwicklung.
JASMIN: Ich habe das Gefühl, dass das Projekt nie zu Ende sein wird. Es klingt komisch, aber ich denke es ist ein offener Prozess. Vor allem weil wir mit uns selbst als Material arbeiten, wird das Stück sich immer weiterentwickeln, so wie auch wir uns weiterentwickeln.
Karo, du bist ins Ensemble gekommen als die Proben schon liefen. Zu einer Zeit als für die meisten die ganze Sache noch nicht zu überschauen war. In was bist du eingetaucht? In ein Chaos? Was war das für eine Atmosphäre?
KARO: Als ich zum Intergogue-Ensemble dazustieß, waren die Proben Raum zum Spielen und Ausprobieren von bereits weitergedachten und zu Szenen geformten Ideen der MitspielerInnen. Sie lagen aber gleichzeitig noch in einer Phase des Ideen-Sammelns. Ich fand mich in einem begonnen Theaterprozess wieder, der offen für das war, was jeder einzelne Spieler in ihn hineitragen wollte und konnte. Ich bin nicht in ein Chaos hineingetaucht sondern in eine sich verknüpfende Ansammlung von Situationen des menschlichen Lebens, die keineswegs weithergeholt scheinen sondern hier innerhalb einer Inszenierung endlich aufgedeckt werden wollen und können. Das Ausmaß des Stückes und die sich darin abzeichnende Verzweigung „ganz normaler“ zwischenmenschlicher Verbindungen im globalen internationalen Beziehungsgeflecht überschaute ich zum Zeitpunkt meines Einstiegs allerdings nicht. Was uns im Laufe des Probens vorantrieb, auch als die Zweifel am Stück sichtbar wurden, war unsere Neugier auf unsere eigenen Geschichten und die unserer MitspilerInnen. Und natürlich die Lust, diese als Ensemble zeigen zu können und ihnen damit einen Rahmen zu geben, der Raum zum Spielen schafft aber auch über uns als SchauSpieler hinausweist.

DIE MEGAMASCHINE

Folge 1:

Pasquale betreibt eine Boutique, spielt Squash und ist dabei umzusatteln: Sie will Eventmanagement studieren. Ihr Mann, selbstständiger Handwerksmeister, kämpft mit seinem Steinsetzerbetrieb ums Überleben.
Der Freizeitchor bietet den Abend in der Woche, auf den sich die einsame Monika freut. Und auf die Chorleiterin Agusta, Mutter von drei Kindern. Auf einer gemeinsamen Busfahrt kommen sie sich näher – so nahe, wie es Monika sich wünscht?
Der berühmte Psychologe, Prof. Meyrink, über seine besten Jahre inzwischen hinaus, lebt ein ironisch spannungsreiches Leben mit seiner jungen Frau Vanessa. Dennoch zieht es ihn immer wieder zu seiner ersten Frau. Man muss sich auch mal ausruhen können. Die Frauen aber, die in seine Sitzungen kommen, werden immer jünger.
Und Eva-Miriam hat sich in ihre Therapeutin verliebt, die sie mit grausamen Wahrheiten quält. Therapie?
Während all dies geschieht gründet Mademoiselle Inge in der kanadischen Provinz Quebec ein Start-up in der IT-Branche. Und will damit ganz hoch hinaus. Selbstoptimierung ist die Devise, die sie an ihre Mitarbeiter weiterträgt.
Selbstoptimierung, behauptet auch der „Macher“, ist das Rüstzeug, um in meiner Welt zu bestehen. Er hat auf entvölkertem Boden ein hilfloses Menschlein getroffen und nun wollen beide hinein ins pralle Leben. Aber vorher … richtig! .. müssen sie sich optimieren!

Folge 2:

Mademoiselle Inge hat geheiratet und ist nun Madame Augustin. Ihr Start-up hat sich zu einem veritablen mittelständischen Unternehmen gemausert, das sie verkauft. Und den Namen gleich mit: Augustin Communications. Die anonymen, knallharten neuen Besitzer inszenieren sich als bodenständiger Familienbetrieb.
 Selbstinszenierung ist auch das neue Motto des „Machers“. Das Menschlein versagt vor den Herausforderungen dieser Etappe der Menschwerdung und wird in die Wüste geschickt.
Carrie, schlecht bezahlte Lagerarbeiterin bei einem Textildiscounter, hat sich entschieden. Sie wird für einen sozialen Ausgleich sorgen. Als sie Wendelin trifft, einen früheren Mitschüler, der scharf auf sie ist, lässt sie ihn für ein Entgegenkommen zahlen. Und Wendelin zahlt gut, er ist inzwischen Sales Manager bei Augustin Communications.
Unterschiedlicher könnten die Schwestern Nikolajewna, Mona und Magdalena, nicht sein. Schauspielerin mit chaotischem Leben die eine, gut organisierte Verwaltungsangestellte die andere. Als Magdalena völlig abgebrannt ist müssen sie eine zeitlang in Monas Wohnung miteinander auskommen.
Franka ist in Sebastian verliebt. Nach außen scheint alles in Ordnung. Überall auf dem Campus und in den Clubs sieht man sie gemeinsam. Aber wiederum nach einem gemeinsamen Konzertbesuch nachts vor ihrer Haustür will er nicht mit hoch kommen. Wer ist er? Was spielt er sich vor? Was spielt er ihr vor?
Die attraktive, aber verheiratete Laila bekommt eindeutige Angebote von ihrem Chef, ist geschmeichelt und schwankt zwischen Begehren, Berechnung und Treue zu sich selbst. Mit welchem Selbstbild soll sie leben?
Und der „Macher“ hat inzwischen eine neue Partnerin bei der Körperertüchtigung. Die Pastorin Wendenschein-Waran. Mit ihr joggt er hinüber in Folge 3, die mit Selbstvernichtung droht.

Folge 3:

Augustin Communications ist ein Weltkonzern. Um sich seine Rohstoffbasis zu sichern muss der Konzern Kriege in verschiedenen Weltgegenden am Laufen halten. Die Gestalten dieser Kriege, unvorstellbarer Gräueltaten, tummeln sich in der Welt des „Machers“. Die einzige, die wahrnimmt, wie dieser Krieg alle verfolgt, alle vereinnahmt, ist die Schauspielschülerin Jeanne. Sie sucht Zuflucht bei ihrem Freund Karel.
Auf einem Ministerempfang hat die weltberühmte Pianistin Sophia Friederike Hunger ein Erlebnis der dritten Art. Die Punksängerin Doro, die dort als Küchenhilfe jobbt, erscheint ihr als Märchengestalt, in sich vereinend Grausamkeit und Liebe. Als der Traum vorbei ist, ist Doro verschwunden. Sophia Friederike beginnt die Suche nach ihr.
Und Gregor ist ein Selbstperformer mit Hang zur Selbstdemontage. Ein scheinbar stilles, seinen Lebenswillen absorbierendes Leben lässt ihn nichts wahrnehmen außer sich selbst, wodurch ihm seine Freundin Melissa entgleitet.
Alle drei Liebeserzählungen berühren sich, kollidieren.
Vieles, viele werden untergehen, einige überleben.
Und, achja, der „Macher“ – aber das wird nicht verraten…

Fotos: Intergogue

„Im Leeren Raum“

Ebersstraße 27

10827 Berlin